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Karriere & Bewerbung

Der erste Tech-Job: eine Bewerbung, die auffaellt

Für deinen ersten Tech-Job verbindest du Portfolio, Bewerbung und Netzwerk zu einem glaubwürdigen Gesamtbild.

27. Juli 2024 7 Min. Lesezeit

KI-generiert

Du hast ein Projekt gebaut, auf das du stolz bist. Vielleicht wertet es Daten aus, stellt eine Webanwendung bereit, automatisiert einen wiederkehrenden Prozess oder zeigt eine Sicherheitslücke auf. Dann öffnest du eine Stellenanzeige und fragst dich: Reicht das überhaupt für eine Bewerbung? Diese Unsicherheit kennen viele Menschen vor ihrem ersten Tech Job. Entscheidend ist nicht, ob dein Weg perfekt aussieht. Entscheidend ist, ob du verständlich zeigen kannst, was du kannst, wie du arbeitest und warum genau diese Rolle zu deinem nächsten Schritt passt.

Portfolio und Bewerbung müssen dieselbe Geschichte erzählen

Ein Portfolio ist keine Ablage für alles, was du je ausprobiert hast. Es ist ein Beleg für deine Arbeitsweise. Die Bewerbung wiederum ordnet diesen Beleg ein. Beide Teile sollten deshalb dieselbe Frage beantworten: Welches konkrete Problem kannst du mit deinen heutigen Fähigkeiten bearbeiten?

Viele Bewerbungen verschenken Potenzial, weil Lebenslauf, Anschreiben und Portfolio nebeneinander stehen, aber nicht zusammenpassen. Im Lebenslauf steht dann etwa „Python Kenntnisse“, im Portfolio liegt ein schwer verständliches Notebook, und im Anschreiben bleibt offen, was du damit erreicht hast.

Besser ist eine klare Verbindung:

  • Du nennst im Lebenslauf ein relevantes Projekt mit Technologie und Ergebnis.
  • Du verlinkst direkt auf die passende Projektseite oder ein Repository.
  • Du erklärst im Anschreiben kurz, warum dieses Projekt für die ausgeschriebene Rolle relevant ist.
  • Du bereitest dich darauf vor, Entscheidungen aus dem Projekt im Gespräch nachvollziehbar zu erläutern.

Wenn du dich zum Beispiel auf eine Junior Stelle im Bereich Data Science bewirbst, ist ein übersichtliches Projekt zur Datenbereinigung, Analyse und Modellbewertung oft überzeugender als fünf oberflächlich angefangene Modelle. Für eine Cloud Rolle kann eine dokumentierte Bereitstellung mit nachvollziehbarer Infrastruktur wichtiger sein als eine lange Liste von Zertifikaten. In der Softwareentwicklung zählt, ob deine Anwendung strukturiert, getestet und verständlich dokumentiert ist. In der Cybersecurity solltest du verantwortungsvoll zeigen, wie du Risiken erkannt, geprüft und eingeordnet hast.

Wähle wenige Projekte, die du wirklich erklären kannst

Drei gute Projekte reichen für viele Einstiegsbewerbungen aus. „Gut“ bedeutet dabei nicht zwingend gross oder technisch spektakulär. Gut bedeutet: Du kannst Ausgangslage, Vorgehen, Entscheidungen, Schwierigkeiten und Ergebnis erklären.

Prüfe jedes Projekt mit diesen Fragen:

FrageWarum sie wichtig ist
Welches Problem löst das Projekt?So wird dein Projekt auch für fachfremde Lesende verständlich.
Welche Aufgabe hattest du selbst?Unternehmen möchten deinen eigenen Beitrag erkennen.
Welche Technologien hast du eingesetzt und warum?Tool Listen allein sagen wenig über dein Urteilsvermögen aus.
Welche Hürde gab es?Schwierigkeiten zeigen, wie du lernst und Probleme löst.
Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?Diese Reflexion wirkt reifer als der Anspruch, alles sei perfekt.
Wie kann man das Ergebnis ansehen oder nachvollziehen?Eine klare Anleitung senkt die Hürde für die Person, die dein Portfolio prüft.

Eine gute Projektbeschreibung beginnt nicht mit einer langen Technologieliste. Sie beginnt mit dem Kontext. Statt „Entwicklung einer React Anwendung mit TypeScript und API Anbindung“ schreibst du besser: „Ich habe eine Anwendung entwickelt, mit der Nutzende Ausgaben kategorisieren und Monatsübersichten auswerten können. Dabei habe ich eine Schnittstelle angebunden, Eingaben geprüft und die Oberfläche für unterschiedliche Bildschirmgrössen umgesetzt.“

Das klingt nicht grösser, als es ist. Es zeigt aber Nutzen, technische Umsetzung und deinen Blick für Nutzende.

Achte auch auf die Lesbarkeit deines Repositories. Eine kurze README Datei sollte enthalten:

  • Zweck des Projekts
  • verwendete Technologien
  • Anleitung zum Starten
  • zentrale Architekturentscheidung
  • bekannte Grenzen
  • nächster sinnvoller Ausbauschritt

Unfertige Bereiche sind nicht automatisch ein Problem. Verstecke sie nicht, sondern benenne sie ehrlich. Wer nachvollziehbar dokumentiert, was noch fehlt, zeigt Professionalität.

Passe deine Bewerbung an die Rolle an, nicht an ein Wunschbild

Beim ersten Tech Job ist die Versuchung gross, sich sehr breit zu präsentieren: Data Science, KI, Cloud, Entwicklung und Security klingen schliesslich alle spannend. Für eine konkrete Bewerbung hilft diese Breite jedoch selten. Lies die Stellenanzeige und entscheide, welche zwei oder drei Anforderungen du glaubwürdig belegen kannst.

Markiere dabei drei Kategorien:

  1. Kernaufgaben: Was würdest du im Alltag tatsächlich tun?
  2. Technische Anforderungen: Welche Werkzeuge, Methoden oder Plattformen werden genannt?
  3. Zusammenarbeit: Mit welchen Teams, Fachbereichen oder Kundinnen und Kunden arbeitest du?

Danach baust du deine Bewerbung um diese Punkte herum. Du musst nicht jede Anforderung erfüllen. Gerade beim Einstieg ist das selten realistisch. Wichtig ist, dass du erkennst, was für die Rolle zentral ist, und deine vorhandene Erfahrung sauber einordnest.

Ein Quereinstieg bringt oft Kompetenzen mit, die in einer reinen Technikliste unsichtbar bleiben. Vielleicht hast du Prozesse analysiert, Kundengespräche geführt, komplexe Inhalte erklärt, Projekte koordiniert oder mit sensiblen Daten gearbeitet. Solche Erfahrungen ersetzen keine technischen Grundlagen. Sie können aber zeigen, dass du Verantwortung übernehmen, Anforderungen verstehen und mit anderen zusammenarbeiten kannst.

Vermeide allgemeine Formulierungen wie „Ich bin sehr motiviert und lerne schnell“. Schreib stattdessen, woran man das sieht: „Für mein Projekt habe ich mich in eine mir neue Cloud Umgebung eingearbeitet, die Bereitstellung dokumentiert und Rückmeldungen aus einem Testlauf umgesetzt.“ Das ist konkret und überprüfbar.

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Nutze dein Netzwerk, ohne dich zu verstellen

Netzwerk bedeutet nicht, fremde Menschen sofort um einen Job zu bitten. Es bedeutet, fachliche Gespräche zu führen, Einblicke zu gewinnen und sichtbar zu werden, bevor eine Bewerbung abgeschickt wird.

Beginne bei Menschen, die dich bereits kennen: ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Menschen aus deinem Kurs, Kontakte aus Projekten oder Bekannte in Tech Teams. Bitte nicht pauschal um „Vitamin B“. Bitte um eine konkrete Einschätzung.

Zum Beispiel:

„Ich orientiere mich gerade in Richtung Cloud Engineering. Darf ich dir zwei Fragen dazu stellen, welche Aufgaben bei euch für Einsteigerinnen und Einsteiger wirklich wichtig sind?“

Oder:

„Ich habe ein kleines Projekt zur Datenanalyse umgesetzt. Wenn du Zeit hast, würde mich interessieren, ob die Dokumentation für jemanden aus der Praxis verständlich ist.“

Solche Anfragen sind respektvoll und leicht zu beantworten. Du lernst dabei, welche Begriffe in der Praxis verwendet werden, welche Fähigkeiten Unternehmen tatsächlich suchen und wie dein Portfolio auf andere wirkt.

Auch Veranstaltungen, Fachgruppen und Online Communities können sinnvoll sein. Geh aber nicht mit dem Ziel hin, sofort eine Zusage zu bekommen. Nimm dir stattdessen vor, ein gutes Gespräch zu führen, eine konkrete Frage zu stellen und danach den Kontakt zu halten. Ein kurzer Dank mit Bezug auf das Gespräch ist besser als eine anonyme Kontaktanfrage.

Typische Fehler, die du vermeiden kannst

Die meisten Absagen haben keine einzelne Ursache. Trotzdem gibt es Muster, die du mit überschaubarem Aufwand verbessern kannst.

Zu viel, zu unsortiert

Zehn Repository Links ohne Erklärung überfordern. Wähle lieber deine stärksten Projekte aus und führe Leserinnen und Leser gezielt hindurch. Jede Verlinkung sollte einen Zweck haben.

Das Anschreiben könnte an jedes Unternehmen gehen

Wenn du den Firmennamen austauschen könntest, ohne dass sich der Text verändert, ist die Bewerbung zu allgemein. Nenne eine Aufgabe aus der Anzeige und verbinde sie mit einem Beispiel aus deinem Portfolio oder deiner bisherigen Arbeit.

Technologien werden behauptet, aber nicht belegt

Schreibe nicht einfach „Kenntnisse in Docker, SQL und Git“. Zeige, in welchem Projekt du diese Werkzeuge eingesetzt hast. Wenn du Grundlagen kennst, formuliere auch das offen. Ehrlichkeit ist gerade im Gespräch belastbarer als Übertreibung.

Das Portfolio ist technisch korrekt, aber nicht zugänglich

Nicht jede Person, die deine Unterlagen zuerst liest, programmiert selbst. Erkläre Fachbegriffe, ergänze Bilder oder kurze Ablaufschilderungen und mache den Nutzen sichtbar. Technische Tiefe darf vorhanden sein, aber sie sollte auffindbar und strukturiert sein.

Keine Vorbereitung auf Rückfragen

Jedes Projekt in deinem Portfolio kann zur Gesprächsfrage werden. Übe deshalb, es in zwei Minuten zu erklären. Danach solltest du auf Nachfrage tiefer einsteigen können: Warum diese Technologie? Wie hast du Fehler gefunden? Was war dein eigener Anteil? Was hat nicht funktioniert?

Eine letzte Prüfung vor dem Absenden

Nimm dir vor jeder Bewerbung zehn Minuten für diese Checkliste:

  • Passt der Lebenslauf zur angestrebten Rolle?
  • Sind ein bis drei relevante Projekte leicht auffindbar?
  • Erklärt jedes Projekt Problem, Beitrag und Ergebnis?
  • Verweist dein Anschreiben auf mindestens ein konkretes Beispiel?
  • Sind Namen, Rolle und Unternehmen korrekt?
  • Funktionieren alle Links?
  • Kannst du jedes genannte Tool und Projekt im Gespräch erklären?
  • Haben Rechtschreibung, Formatierung und Dateinamen einen professionellen Eindruck?

Eine Bewerbung fällt nicht auf, weil sie besonders laut ist. Sie fällt auf, wenn sie klar, konkret und glaubwürdig ist. Du musst für deinen ersten Tech Job keine perfekte Laufbahn vorweisen. Du musst zeigen, dass du die Grundlagen ernst genommen hast, aus deiner Arbeit lernen kannst und den nächsten Schritt bewusst gehen willst.

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